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Bewertung systemischer Risikomaße hinsichtlich ihrer Eignung für die makroprudenzielle Regulierung

Döring, Wewel, Hartmann-Wendels

Seit der internationalen Finanzmarktkrise von 2007-2009 verfolgen insbesondere Politik und Aufsicht das Ziel, systemische Risiken im Finanzsystem zu erfassen und zu quantifizieren. So soll ein zielgerichtetes Monitoring systemischer Risiken der Finanzaufsicht zukünftig ermöglichen, die makroprudenzielle Überwachung und Regulierung des Finanzsystems zu verbessern. Systemisches Risiko kann vereinfacht als die Möglichkeit des Eintritts einer Finanzkrise definiert werden, welche zu erheblichen Verlusten innerhalb des Finanzsystems führt und in Folge dessen es zu  Spillover-Effekten auf die Realwirtschaft kommt. Schwieriger hingegen gestaltet sich die Quantifizierung systemischer Risiken sowie die damit verbundene Bewertung der verwendeten Risikomaße hinsichtlich ihrer Eignung für die Regulierung.
Vor diesem Hintergrund verfolgt das Forschungsprojekt das Ziel, das Potential bzw. die Güte ausgewählter kapitalmarktbasierter systemischer Risikomaße zu analysieren. Ein Risikomaß wird als geeignetes makroprudentielles Monitoring-Instrument angesehen, wenn es die Symptome eines systemischen Ereignisses erfassen kann. Aus dem systemischem Risikobegriff folgt, dass ein valides Risikomaß einen negativen Zusammenhang zur Entwicklung der Finanzmärkte und der Realwirtschaft aufweisen und sich bestenfalls für Prognosen letzterer eignen sollte. Die Analyse der Prognosekraft der systemischen Risikomaße für Finanzmarkt- und makroökonomische Variablen erfolgt auf Basis von Vektorautoregressionen. Weiterhin wird der Zusammenhang zwischen systemischem Risiko und aggregierten Bilanzcharakteristika von Finanzinstituten untersucht. Die Untersuchung erfolgt auf Basis eines Datensatzes von börsennotierten europäischer Banken, die über den Untersuchungszeitraum von 2005—2013 eine Bilanzsumme von mindestens 30 Milliarden Euro aufweisen.

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Zinsanpassungsverhalten von Banken

Schlüter, Busch, Hartmann-Wendels, Sievers

Volkswirtschaftliche Studien untersuchen, wie schnell sich Leitzinsänderungen der Zentralbanken auf das Marktzinsniveau auswirken. Während kapitalmarktnahe Produkte rasch reagieren, geben Banken ein verändertes Marktzinsniveau nur verzögert und nicht in vollem Umfang an ihre Privatkunden weiter („sticky retail rates“). Untersuchungen des Zinssetzungsverhaltens einzelner Banken gibt es für den deutschen Markt jeweils nur für Einzelfälle. Die Determinanten für die verzögerte Zinsanpassung von Retailprodukten sind dagegen für deutsche Banken noch nicht analysiert worden. Internationale Studien deuten an, dass Institutscharakteristika wie z.B. Refinanzierungsmöglichkeiten, Kostenstrukturen oder Kapitalisierung Einfluss haben können. In welchen Merkmalen unterscheiden sich Banken, die eine Marktzinsänderung direkt an ihre Kunden weitergeben von denen, die dies unterlassen? Untersucht werden auch die veränderten Refinanzierungsbedingungen der deutschen Banken in der Finanzkrise. Wie hat sich ein illiquider Interbankenmarkt auf die Refinanzierung der Banken auswirkt? Wie haben die Banken mit ihrem Zinssetzungsverhalten auf die Krise reagiert?

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Refinanzierung von Banken durch Privatkunden – Einfluss der Vertragsgestaltung auf das Sparverhalten

Schlüter, Sievers, Hartmann-Wendels

Kundeneinlagen stellen für viele Banken einen wesentlichen Teil ihrer Refinanzierung sicher. Nicht nur in der letzten Finanzkrise war eine stabile Kundenrefinanzierung entscheidend. Auch in den geplanten Regulierungsvorschriften zu Basel III werden Einlagen erstmals in stabile und instabile Klassen unterteilt und somit durch die Aufsicht unterschiedlich erfasst. Für Banken sind daher Möglichkeiten zur Einflussnahme auf das Kundenverhalten von entscheidender Bedeutung. Gibt es Möglichkeiten, die Sparintensität oder die Dauer der Kapitalüberlassung an die Bank zu beeinflussen? Welche Wirkung haben dabei vertragliche Anreizmechanismen? Ziel des Projektes ist die Analyse der Wirkungsweise verschiedener vertraglicher Anreize auf das Kundenverhalten. Die empirische Analyse eines Datensatzes  mit mehreren Millionen Kundendaten zeigt, wie Banken das Sparverhalten beeinflussen können.

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Beurteilungen struktureller Erfolgsfaktoren bei Private Equity Investitionen

Hüther, Sievers, Hartmann-Wendels

Private Equity Finanzierungen beinhalten ein hohes Maß an Unsicherheit. Zur Auflegung von neuen und größeren Fonds müssen Managementgesellschaften das Vertrauen von Investoren gewinnen. Insbesondere vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise wächst das Interesse der Investoren nach einem besseren Verständnis für die Rentabilität von Investitionen in Private Equity Fonds.  Es gibt zwar weitgehende Offenlegungspflichten der Managementgesellschaft gegenüber ihren Investoren und den Aufsichtsbehörden, dies löst aber nicht das Problem, wie ein Investor zu Beginn seines Engagements  Gesellschaften mit einem erfolgreichen Fondsmanagement identifizieren kann. Ein Blick auf die vergangene Performance mag hilfreich sein, zielführender und für Erstauflagefonds ausschließlich anwendbar ist der Einsatz zukunftsorientierter Erfolgskriterien.
Ziel des Forschungsprojektes ist, die empirischen Abhängigkeiten zwischen Geschäftspolitik, Strukturmerkmalen und Fondserfolg/-risiko von Private Equity Gesellschaften aufzuzeigen.

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Schätzung von Verlustquoten im Leasing

Hartmann-Wendels, Töws, Miller

Neben der Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) ist die Verlustquote (LGD) die entscheidende Größe für die Quantifizierung von Kreditrisiken. Im Gegensatz zur PD existieren zur Ermittlung und Schätzung des LGD bisher jedoch keine etablierten Verfahren. Daher liegt der Fokus dieses Forschungsprojektes auf  der Entwicklung einer Schätzmethodik für Verlustquoten, die sowohl den speziellen Eigenschaften des Leasinggeschäfts (Verwertungskompetenz) als auch den regulatorischen Anforderungen des fortgeschrittenen IRB-Ansatzes der Solvabilitätsverordnung  genügt. Die Anwendung traditioneller Regressionsmethoden ist angesichts der speziellen Verteilungsform von Workout-LGDs problematisch. Daher liegt das Hauptaugenmerk des Projekts in der Auswahl geeigneter statistischer Verfahren, um eine möglichst präzise Schätzung umsetzen zu können. Auf Basis eines von mehreren Leasinggesellschaften bereitgestellten Datensatzes können die wesentlichen Treiber der Verlustquote im Leasinggeschäft identifiziert werden und auf dieser Basis Schätzungen vorgenommen werden, die die gängigen Prognoseverfahren in ihrer Vorhersagequalität übertreffen.

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Reform der Bankenaufsicht und Auswirkungen auf die Kreditvergabe der Banken, Sparkassen und genossenschaftlichen Kreditinstitute

Hartmann-Wendels

Als Reaktion auf die Finanzmarktkrise wird die Regulierung der Banken derzeit massiv verändert. Basel III verschärft die Anforderungen an die Eigenmittelunterlegung und führt erstmals international abgestimmte Liquiditätsstandards ein, die MaRisk sind in kurzer Abfolge zweimal verändert worden, die Einlagensicherung wird reformiert und mit dem Bankenrestrukturierungsgesetz wurde eine Bankenabgabe eingeführt. Die neuen Vorschriften setzen zwar an den in der Finanzmarktkrise erkannten Schwachstellen an,  wesentliche Verzerrungen und Fehlanreize werden aber nicht beseitigt. So werden Schuldverschreibungen von Staaten nach wie vor als quasi sicher behandelt, daneben wird auch die im Vergleich zu Handelsbuchrisiken zu hohe Eigenmittelunterlegung von Kreditrisiken nicht beseitigt. Die Studie untersucht darüber hinaus die möglichen Konsequenzen der neuen Regulierung auf die Kreditvergabe der Banken.

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Der Einsatz von Factoring in Unternehmen

Hartmann-Wendels, Elbracht, Stöter

Factoring weist seit vielen Jahren beachtliche Zuwachsraten auf und ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil im Finanzierungsmix vieler Unternehmen geworden. Dennoch liegt die Factoringquote in Deutschland unter der anderer Länder wie z. B. Großbritannien oder Italien. Es gibt bislang keine systematische Untersuchung, die erklärt, welche Unternehmen Factoring einsetzen, welche Motive Unternehmen dazu bewegen, ihre Forderungen zu verkaufen oder was sie davon abhält und wie sich Factoring auf Liquidität und Kapitalkosten auswirkt. In einer umfangreichen empirischen Untersuchung wurden Unternehmen, die Factoring einsetzen und solche, die auf Factoring verzichten, befragt. Neben der Branche hat die Unternehmensgröße und der Anteil des Forderungsvolumens an der Bilanzsumme Einfluss auf die Neigung, Factoring einzusetzen. Die Hauptmotive für den Forderungsverkauf sind der Liquiditätsbedarf, die Reduzierung von Ausfallrisiken, die Verbesserung der Bilanzstruktur und das Outsourcing des Debitorenmanagements. Gegen die Nutzung von Factoring sprechen das negative Image, das dem Forderungsverkauf nach Meinung vieler Nichtnutzer anhaftet sowie die Kosten.

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Diversification in Firm Valuation: A Multivariate Copula Approach

Erdorf, Hartmann-Wendels, Heinrichs

In einer Welt vollkommener Märkte bringt eine Diversifikationsstrategie keinen Mehrwert: Der Marktwert eines Unternehmens ist stets die Summe der Marktwerte der einzelnen Geschäftssegmente, solange mit der Diversifikation keine Synergieeffekte verbunden sind. Die Argumentation vernachlässigt die Existenz von Insolvenzkosten. Durch einen Risikoausgleich zwischen den Geschäftssegmenten kann die Insolvenzwahrscheinlichkeit reduziert werden. Andererseits wächst mit zunehmendem Diversifikationsgrad die Gefahr einer ineffizienten Unternehmensführung. Die geringere Transparenz über den Erfolg einzelner Geschäftsbereiche kann zur Quersubventionierung unrentabler Geschäftsbereiche genutzt werden.
Im Rahmen einer umfangreichen empirischen Studie wird nachgewiesen, dass Diversifikation marktwertsteigernd wirkt. Entscheidend ist dabei, dass der Grad der Diversifikation nicht wie sonst üblich durch einen Korrelationskoeffizienten modelliert wird, sondern durch einen Copula-Ansatz. Damit kann berücksichtigt werden, dass in Krisenzeiten Abhängigkeitsverhältnisse deutlich stärker werden. Die Korrelation, die von einer konstanten Abhängigkeit ausgeht unterschätzt damit die Vorteile der Diversifikation.

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Corporate Diversification and Firm Value: A Survey of Recent Literature

Erdorf, Hartmann-Wendels, Heinrichs, Matz

Bis Anfang dieses Jahrhunderts bestand weitgehend Einigkeit darüber, dass eine Diversifikationsstrategie Unternehmenswert vernichtet. Diversifizierte Unternehmen sind weniger transparent, so dass die Kontrolle der Unternehmensleitung weniger effektiv ist. Damit besteht die Gefahr, dass die Unternehmensleitung unrentable Geschäftsbereiche durch Quersubventionierung am Leben erhält. Auch empirisch wurde die These, dass Diversifikation wertvernichtend wirkt, in mehreren Arbeiten bestätigt. In den letzten Jahren sind an diesen Ergebnissen Zweifel laut geworden. Es zeigt sich, dass die Modellierung von stochastischen Abhängigkeiten durch Korrelationen den empirischen Gegebenheiten nicht gerecht wird. Abhängigkeiten sind nicht – wie der Korrelationskoeffizient unterstellt – konstant, sondern ändern sich mit der Gewinnhöhe. In Krisenzeiten sind Abhängigkeiten deutlich stärker ausgeprägt als unter normalen Verhältnissen. Damit gewinnt die Diversifikation als Schutz vor Insolvenz an Bedeutung. Eine Synopse neuerer Studien zeigt, dass Diversifikationseffekte u.a. von der Branche, von der Effizienz der Kapitalmärkte, von der Corporate Governance und vom Konjunkturzyklus abhängen.

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Kosten der Regulierung

Hartmann-Wendels, Azimi, Nemet

Ende 2008 wurden Leasing- und Factoringunternehmen einer eingeschränkten Bankenaufsicht unterstellt. Seitdem müssen diese Unternehmen die Mindestanforderungen für das Risikomanagement sowie eine Vielzahl von Meldepflichten einhalten. Dies stellt insbesondere kleinere Gesellschaften, die bislang meist ohne die Einhaltung formaler Prozesse gesteuert wurden, vor große Probleme. Die Anzahl der bei der BaFin registrierten Leasing- und Factoringunternehmen geht seitdem ständig zurück. Anhand eines umfangreichen Fragebogens, der an alle registrierten Leasingunternehmen geschickt wurde, soll herausgefunden werden, wie hoch die durch die Regulierung bedingten Kosten insgesamt sind, durch welche Regulierungsvorschriften sie verursacht werden und in welchen Bereichen die Kosten anfallen. Weiterhin soll die Hypothese geprüft werden, dass die Regulierung trotz des in den MaRisk verankerten Grundsatzes der Proportionalität kleinere Unternehmen systematisch benachteiligt.

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